Das Handicap

Eine Zahl, nicht mehr und nicht weniger. Aber immer ein heisser Diskussionspunkt. Was soll das eigentlich sein, das Handicap? Ist das ein Gradmesser für die momentane Spielstärke? Ist dies eine Aussage über den jeweiligen Golfspieler? Eigentlich sollte das Handicap ein Maß für die Spielstärke sein, wurde aber leider in unterschiedliche Richtungen umfunktioniert. Einerseits hat man das Gefühl, dass diese Zahl mehr über eine Person aussagen soll, als sie tatsächlich tut. Andererseits wurde dies auch mit einem Imagefaktor behaftet, was per se kontraproduktiv ist. Gleich einem Orden wird das Handicap vorne an der Brust (auf der Clubkarte) vorangetragen, nach dem Motto: “Nenne mir dein Handicap, und ich sage dir, wer du bist!" Eigentlich schade, denn dadurch verliert der Golfsport einen seiner grössten Vorteile gegenüber anderen Sportarten, nämlich die sehr einfache Vergleichbarkeit der unterschiedlichen Leistungsniveaus.


Angedacht wäre das Handicapsystem ja korrekt, lediglich die Umsetzung und oftmalig zu optimistische Selbsteinschätzung laufen einer richtigen Konzeptionierung zuwider. Warum das heutige Handicapsystem nicht der wahren Leistungsstärke entspricht, wird durch mehrere Umstände begründet. Und alle Konstrukte, die in naher Vergangenheit Einzug gefunden haben, bringen eher eine Verschlechterung, man könnte sogar meinen, diese Veränderungen führen ein objektives Handicapsystem sogar ad absurdum.


Leider wird ein möglicher Maßstab unterschiedlicher Leistungsniveaus aufgegeben, um wirtschaftlichen Gesichtspunkten Genüge zu tun. Da aus unterschiedlichen Gründen die Mitgliederzahlen stagnieren, wird die Systematik hin- und hergebogen, in der irrigen Meinung, ein “herbeigezaubertes Lebenshandicap” könnte alle betriebswirtschaftlichen Versäumnisse der letzten Jahre vom Tisch wischen. Eine Patentlösung anzubieten ist eine schwierige Angelegenheit, aber vielleicht sollte man sich wieder der ursprünglichen Intention des Handicapsystems zuwenden: Einer Maßzahl der aktuellen Spielstärke.


Generell sollte man angehenden Golfspielern schon in der Grundausbildung ein wenig den Stellenwert des Handicaps richtig nahebringen: Es handelt sich eben nicht um ein Dilemma, welches schlaflose Nächte bereiten kann. Es handelt sich eben nicht um den eigentlichen Hauptzweck dieses Sportes. Als Golfspieler sollte man zur Kenntnis nehmen, dass sich diese Zahl im Laufe der Zeit von selbst ergibt. Man sollte zur Kenntnis nehmen, dass ein nicht erspielen dieses Handicaps bei einem Turnier eine natürliche Angelegenheit ist. Damit würde man speziell Golfneulingen viel Druck nehmen und vielleicht auch wieder die Freude am Turnier spielen fördern.

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