Das Clubleben - Eine verschwindende Begrifflichkeit?

In der ehemaligen Diskussion unter Mitgliedern war das Thema Clubleben immer von erheblicher Bedeutung. Der soziale Aspekt war im jeweiligen Club genauso bedeutend, wie die Beschaffenheit der Grüns oder die Gestaltung der Fairways. Blickt man aber heutzutage der Realität ins Auge, dann hat sich dieses Sinnbild erheblich gewandelt, der gesellschaftliche Zusammenhang scheint abhandengekommen zu sein.


In den letzten Jahren zeichnet sich eine nicht unerhebliche Bindungsunwilligkeit ab, die aber nicht nur den Golfsport beeinflusst, sondern sich in allen gesellschaftlichen Ebenen zeigt. War früher das Clubhaus ein Zentrum Club-gesellschaftlicher Aktivitäten, werden heutzutage Mitgliedschaften Kosten-Nutzen effizient "verbraucht". Dies zeigt sich vor allem auch speziell bei neuen Mitgliedern, die - wie einschlägige Artikel aufzeigen - bereits nach drei Jahren wieder ihre (vielleicht) vergünstigte Einstiegs-Mitgliedschaft auflösen.


Die Problematik zeigt sich auch dadurch, dass diese Entwicklung generell die Veranstaltungen im Club und auch die Zahl der Teilnehmer bei den Turnieren leiden lässt. Dies bildet einen Kreislauf, der im grossen Zusammenhang betrachtet (wie bereits erwähnt) keine Besonderheit des Golfsports darstellt. Auch andere Sparten haben mit diesem Phänomen zu arbeiten.


Mittragend ist sicher ebenso die massive Ausweitung des Bereiches Social Media in den letzten Jahren. Das Clubleben findet in der Neuzeit oft online statt. Man trifft sich nicht mehr im Club und präsentiert seine Urlaubsfotos, sondern postet diese auf Facebook und Instagram. Interessant vor allem auch der Umstand, dass Datenschutz ein hochbrisantes Thema zu sein scheint, im Social Media Bereich aber das Mitteilungsbedürfnis ebendiesen Datenschutz in der Sekunde atomisiert.


Ein weiterer Aspekt ist auch das Abhandenkommen von Integrationsfiguren innerhalb des Clubs. Gab es früher einen allumfassenden Organisator für Veranstaltungen jeglicher Art, findet sich heutzutage (bis auf wenige Ausnahmen) kaum jemand, der diesen erhöhten Aufwand zu erbringen bereit ist. Meist waren dies Personen aus den eigenen Mitglieder-Reihen, mancherorts auch ein ambitionierter Club-Manager. Heute muss man zähneknirschend zur Kenntnis nehmen, dass es diese Integrationsfiguren (fast) nicht mehr gibt. Begründen kann man dies vielleicht auch in der mangelnden Wertschätzung der Aktivitäten solcher Idealisten.


Und vielleicht liegt hier auch der zentrale Punkt: Die Gestaltung des Clublebens in einem Golfclub obliegt allen Beteiligten. Ohne dieses Selbstverständnis wird eine positivere Entwicklung nicht zu bewerkstelligen sein. Gelingt dies nicht, dann wird jedes Mitglied auf sein administratives Minimum reduziert: Einer zehnstelligen ÖGV-ID.

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