Austrian Golf Show 2020 in Wien

Eines kann schon vorweg gesagt werden: Die heurige Veranstaltung kann im positiven Sinn mit der des Vorjahres schwer verglichen werden. Weitaus größerer Rahmen, wesentlich mehr Aussteller, bessere Organisation. Hatte die vorjährige Messe eher den Eindruck eines Probegalopps, konnte heuer der Charakter einer Fachmesse präsentiert werden. Es war einfach ersichtlich, worum es sich beim angedachten Thema dieses Events handelt. Golf affine Messebesucher konnten sich leichter in die Welt des Golfsportes fallen lassen, als dies im Vorjahr der Fall war.


Darüber hinaus wurde der Versuch unternommen, durch Interaktion mit den Besuchern eine Schnittstelle herzustellen. Ein Drei-Loch-Parcours musste von angemeldeten Golfisti mit möglichst wenig Schlägen bewältigt werden. Und für Fans des Ballsportes generell gab es die Möglichkeit, unter der Aufsicht des ehemaligen Fussball-Nationalteamspielers Marc Janko ihre Geschicklichkeit unter Beweis zu stellen. Ein gelungener Ansatz mit Verbesserungspotential in der Ausführung.


Ebenso wurde eine interessante Vortragsreihe geboten, moderiert von einem launigen und sehenswerten Serge Falck. Leider fanden die einzelnen Vorträge nicht den Zuspruch, den sie verdient hätten. Besonders lobenswert erwähnt wurde von Besuchern der Vortrag von Wiestaw Kramski über "manipulationsfreies Putten".


Die Wege zu und entlang der einzelnen Messe-Stände wurde in Form der Verbindungswege eines Golfkurses gestaltet. An sich eine gute Idee, bei manchen Besuchern hat dies aber ein wenig zur Verwirrung beigetragen. Kulinarisch wurde auch einiges geboten, in der Überzahl waren auch heuer wieder die Anbieter von Golfreisen und -hotels. Ob dieser Mix der Weisheit letzter Schluss ist, kann diskutiert werden, bietet aber im Endeffekt ein buntes Bild unserer Golflandschaft.


Glücklicherweise gab es heuer die Möglichkeit, Schläger zu testen. Mithilfe von Schlag-Kojen, wie man sie von den Golfhallen kennt, wurde die Möglichkeit geboten, Equipment auszuprobieren. Ein unbedingtes Muss für so eine Veranstaltung. Dort konnten auch die Marken-Vertretungen und Golf Anbieter "belästigt" werden, so zum Beispiel Golf House, Ping, Callaway, und so weiter. Sehr löblich.


Im Gespräch mit dem Projektleiter der Veranstaltung, Anton H. Struppy, konnte man erkennen, dass es schwierig ist, so eine Messe auf die Beine zu stellen und vor allem Aussteller davon zu überzeugen, dass ein solches Konzept eine Win-win-Situation darstellen kann. Wenn man sich aber den Zuspruch (der Verfasser kann dies nur für den Samstag beurteilen) vor Augen führt, ist eindeutig ein erhöhtes Potential für ein solches Event erkennbar. Natürlich hinkt auch der Vergleich mit den großen europäischen und amerikanischen Golfmessen, aber den Veranstaltern gebührt hochgradige Anerkennung, dieses Medium neu etablieren zu wollen.


Feedback und Verbesserungsvorschläge? Bitte gerne:

  • Grundsätzlich wäre eine sternenförmige Anordnung der Messestände zu überlegen. Die Vortragsbühne könnte man dabei in den Mittelpunkt rücken, darüber hinaus könnte der ÖGV als zentrale Anlaufstelle aufgestellt werden. Durch die diesjährige Parcours-Gestaltung wurde das Messe-Layout zu komplex. So wurden zum Beispiel Teile der Halle gar nicht genutzt. Hier könnte man die sternförmig angedachten Gänge verbreitern und weiters die einzelnen Messestände offener gestalten.
  • Vielleicht könnte man einen größeren Schwerpunkt auf Hardware legen. Der Überhang an Reiseanbietern war auch heuer wieder ersichtlich, von Messebesuchern wurde hier in der Diskussion eine ausgewogenere Landschaft gewünscht. (Wobei sich hierbei immer die Frage der Umsetzbarkeit stellt.)
  • Durch eine weitere Steigerung der Interaktion mit den Messebesuchern könnte man diese noch intensiver "ins Boot holen". Der heurige 3-Loch-Parcours wurde unter seinem Wert geschlagen, da dieser teilweise in der Präsentation untergegangen ist und auch nahezu unspielbar war. Eine größere Fläche mit einer Putting Competition würde hier mehrere Möglichkeiten und organisatorische Vorteile bringen. Weiters könnte man mittels Chipping- und Pitching-Kojen Geschicklichkeitsspiele etablieren, so wie man dies bei den ehemaligen Super Tuesday Veranstaltungen im GC Fontana gewohnt war. (Diese Veranstaltungen dienten damals als Probeläufe zu den späteren Turnieren der European Tour.)
  • Der Bereich Multimedia kann noch massiv ausgebaut werden. Mit Video-Walls, Hintergrund-Musik und anderen Medien kann noch wesentlich mehr Pfiff eingebracht werden.
  • Der eine oder andere Messestand war durch optisches "Nicht-Layout" vorhanden. Hier ist der Veranstalter gefordert, ein bestimmtes Grundmaß an Qualität einzufordern oder vorzugeben.
  • Vielleicht könnte man Aktivitäten für Kinder andenken, um zukünftiges Klientel oder Golfer-Nachwuchs aufzubauen. Dies müsste marketingtechnisch konzeptioniert werden (Stichwort Schulen).

Conclusio: Wien hat sich einfach eine repräsentative Golf-Messe verdient. Der Zuspruch bestätigt, dass die dahinterstehenden Ambitionen sehr wohl geschätzt werden. Nun gilt es, den eingeschlagenen Weg beizubehalten und jedes Jahr Fortschritte zu erzielen. Dann kann diesem Event eine (hoffentlich) großartige Zukunft vorhergesagt werden.


Kurzer Small-Talk mit dem Organisator dieser Veranstaltung, Anton H. Struppy (rechts im Bild).

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