Der Optimist – Immer einen guten Schlag vom Glück entfernt
-
Mario Sackl -
31. Dezember 2025 um 08:00 -
245 Mal gelesen -
1 Kommentar
Der Optimist ist die menschgewordene Hoffnung auf dem Golfplatz. Wo andere Golfer Gefahren sehen, erkennt er Möglichkeiten. Bäume? Kein Problem. Wasser? Spielbar. Out of Bounds? Eher eine grobe Empfehlung als eine feste Grenze. Der Optimist betritt den Platz mit der festen Überzeugung, dass heute alles funktionieren wird – ganz egal, wie es gestern lief.
Schon am ersten Abschlag verbreitet er gute Laune. Während Mitspieler noch schweigend ihre Drives vorbereiten, kommentiert der Optimist das Wetter, den Platz und das Leben im Allgemeinen. „Heute fühlt es sich gut an“, sagt er – und meint damit nicht zwingend seinen Schwung, sondern eher die allgemeine Stimmung im Universum.
Sein Lieblingssatz lautet: „Der geht!“ Und er sagt ihn mit einer Überzeugung, die selbst dann nicht wankt, wenn der Ball bereits auf halber Strecke Richtung Wasserhindernis unterwegs ist. Sekunden später hört man ein leises Platsch. Der Optimist nickt zufrieden und sagt: „Schade. Aber die Richtung war gut.“
Fehlschläge sind für ihn keine Fehler, sondern Erfahrungswerte. Ein Slice ist kein Slice, sondern „etwas zu viel Fade“. Ein getoppter Ball ist „ein taktischer Lay-up“. Selbst ein Dreifach-Bogey wird mit den Worten kommentiert: „Na bitte, stabil gespielt.“ Wer mit dem Optimisten im Flight ist, lernt schnell: Alles ist relativ – vor allem der Score.
Besonders beeindruckend ist seine Fähigkeit, gute Schläge mit Begeisterung zu feiern. Ein solider Eisen-Schlag aufs Grün wird bejubelt, als hätte er gerade ein Major gewonnen. Der Optimist klatscht sich selbst ab, lächelt breit und sagt: „Genau so hab ich mir das vorgestellt.“ Dass der Ball eigentlich zehn Meter kürzer war als geplant, ist eine unwichtige Randnotiz.
Für seine Mitspieler ist der Optimist ein Geschenk. Er hebt die Stimmung, entschärft Frust und sorgt dafür, dass selbst eine zähe Runde irgendwie leicht wirkt. Wo andere fluchen, lacht er. Wo andere grübeln, geht er einfach weiter. Er spielt Golf mit einer beneidenswerten Unbekümmertheit.
Doch auch der Optimist hat seine Eigenheiten. Er vergisst Fehlschläge erstaunlich schnell – manchmal zu schnell. Strategische Entscheidungen trifft er nach Gefühl, nicht nach Wahrscheinlichkeit. Risiko ist für ihn kein Warnsignal, sondern eine Einladung. „Wenn ich den treffe, wird das großartig“, sagt er – und blendet dabei konsequent die letzten fünf ähnlichen Versuche aus.
Ironischerweise spielt der Optimist oft besser, als man erwartet. Weil er sich nicht selbst blockiert. Weil er keinen Ball fürchtet. Und weil er Fehler nicht mit sich herumschleppt. Jeder Schlag ist für ihn ein Neuanfang. Ein schlechter Drive? Egal. Der nächste wird gut. Ganz sicher.
Sein größtes Talent ist seine emotionale Resilienz. Er kennt keine Abwärtsspiralen, nur kurze Umwege. Selbst auf den letzten Löchern, wenn andere längst mental im Clubhaus sitzen, glaubt der Optimist noch an das große Finish. „Zwei Birdies gehen immer“, sagt er – und meint es ernst.
Natürlich ist nicht jeder Optimist automatisch ein guter Golfer. Aber fast jeder gute Golfer hat etwas vom Optimisten in sich. Denn Golf ist ein Spiel, das Hoffnung braucht. Ohne sie würde man nach neun Löchern aufhören.
Der Optimist aber geht weiter. Loch für Loch. Schlag für Schlag. Mit einem Lächeln, das selbst dann bleibt, wenn der Ball wieder einmal nicht macht, was er soll. Und genau deshalb ist er eine der beliebtesten Figuren auf dem Golfplatz.
Denn am Ende ist klar: Golf ohne Optimisten wäre deutlich leiser – und um einiges weniger unterhaltsam.
Kommentare 1