Der Pessimist – Immer vorbereitet auf das Schlimmste


Der Pessimist betritt den Golfplatz nicht mit Vorfreude, sondern mit Vorsicht. Golf ist für ihn kein Spiel, sondern ein kalkuliertes Risiko. Schon am ersten Abschlag weiß er: Das kann heute alles schiefgehen. Und genau deshalb ist er innerlich bestens vorbereitet.

Während andere Golfer noch hoffen, hat der Pessimist bereits abgeschlossen. Mit dem Par, mit dem Birdie und oft auch mit dem Fairway. „Na schauen wir mal, ob ich den überhaupt treffe“, sagt er – und schafft damit eine Erwartungshaltung, die kaum zu unterbieten ist. Ein kluger Schachzug, wie sich später zeigt.

Sein Lieblingssatz lautet: „Das wird nix.“ Und er sagt ihn mit einer Ruhe, die fast beruhigend wirkt. Kein Drama, kein Ärger – eher sachliche Feststellung. Der Ball fliegt los, streift den Baum und landet im Rough. Der Pessimist nickt. „Hab ich mir gedacht.“

Für ihn ist jeder Golfplatz ein Minenfeld. Wasserhindernisse sind nicht dekorativ, sondern böswillig platziert. Bunker lauern förmlich darauf, seinen Ball anzuziehen. Der Wind arbeitet grundsätzlich gegen ihn – selbst wenn er aus beiden Richtungen gleichzeitig weht. Optimismus ist für den Pessimisten keine Tugend, sondern eine Einladung zur Enttäuschung.

Bemerkenswert ist seine Fähigkeit, selbst gute Schläge kleinzureden. Ein sauberer Drive ins Fairway wird kommentiert mit: „Ja, der war jetzt okay – aber wart ab, was beim zweiten passiert.“ Ein gelochter Putt? „Der musste ja rein, sonst wär’s peinlich gewesen.“ Freude ist erlaubt, aber bitte nur in homöopathischen Dosen.

Für Mitspieler ist der Pessimist eine faszinierende Erscheinung. Er ist kein Choleriker, kein Lautsprecher. Seine Enttäuschung ist leise, fast philosophisch. Wo andere fluchen, seufzt er. Wo andere diskutieren, akzeptiert er. Er wirkt wie jemand, der sich schon vor Jahren damit abgefunden hat, dass Golf ein Spiel ist, das man nicht gewinnen kann – höchstens überleben.

Paradoxerweise spielt der Pessimist oft erstaunlich solides Golf. Vielleicht, weil er nichts erwartet. Vielleicht, weil er Risiken meidet wie nasse Grüns. Er spielt defensiv, sicher, manchmal sogar klug. Während der Optimist den heroischen Schlag sucht, legt der Pessimist lieber ab. „Man muss ja nicht alles schlimmer machen“, sagt er – und hat nicht unrecht.

Seine größte Stärke ist sein realistischer Blick. Er kennt seine Schwächen, unterschätzt selten Gefahren und überschätzt sich nie. Wo andere scheitern, weil sie zu viel wollen, bleibt der Pessimist im Spiel. Kein Glanz, kein Drama – aber oft ein respektabler Score.

Natürlich hat diese Haltung auch ihren Preis. Der Pessimist verpasst manche magischen Momente. Den mutigen Schlag, der gelingt. Das unerwartete Birdie. Die Freude, die entsteht, wenn man einfach einmal an sich glaubt. Doch dafür erspart er sich auch viele Enttäuschungen – und vor allem lange innere Monologe.

Am Ende der Runde sitzt der Pessimist im Clubhaus, trinkt sein Getränk und sagt: „War eh besser als erwartet.“ Und das ist für ihn das höchste Lob, das man einer Golfrunde machen kann.

Denn der Pessimist weiß: Golf ist hart. Hoffnung ist gefährlich. Aber wer mit dem Schlimmsten rechnet, kann eigentlich nur positiv überrascht werden. Und manchmal – ganz selten – lächelt sogar er.

Kommentare 1

Lieber Pessimist: Ganz gleich wie beschwerlich das Gestern war, stets kannst Du im Heute von Neuem beginnen.. (Buddha). ;)))))